Ideologie als Waffe

Ideologie ist das heuristische Gebäude, das Individuen befähigt systemkonform zu Handeln, ohne sich selber diese Bestimmungen erarbeiten zu müssen. Handeln wird dadurch automatisiert, Kosten werden gesenkt und Prozesse beschleunigt. Fehlfunktionen des Systems werden darin aber auch zementiert, vorbereitet, vermittelt und unangreifbar gemacht.

Ideologien sind nützlich, wenn sie die positiven Funktionen des Systems unterstützen. Der Kapitalismus und seine Gewinnorientierung am Geldwert ist daher das produktivste System von Wirtschaft, und zugleich das wirkungsvollste Mittel, um überholte bäuerliche und feudale Ideologien (Herr und Knecht; Feudaleigentum) durch Vergesellschaftung (Kapitalakkumulation, Vertrag, Wirtschaftseigentum) zu ersetzen. Es vernichtet aber auch die in der Menschheitsgeschichte aufgebauten anderen Denksysteme, wenn es mit seinem wirtschaftlichen Erfolg und den damit verknüpften Mitteln die kulturellen und humanen Errungenschaften der Menschen zerstört und Arbeit und Konsum zu reinen Kostenfaktoren degradiert.

Linke Politik muss bei den Fehlfunktionen des Kapitalismus ansetzen, sie aufdecken, durch Verbote, Beschränkungen, Bestrafungen oder aber auch durch Subventionierung gegenläufiger Prozesse eindämmen. Doch dabei dürfen nicht die Vorteile übersehen werden, die der Einsatz solcher Ideologien in der Praxis hervorgebracht haben.

Karl Marx (Komm. Manifest) : »Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst.“ (Freiheit, Gleichheit, Sicherheit; Eigentum, Vertragstreue, Gegenseitigkeit) „Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose ›bare Zahlung‹. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt.“

Doch dies ist bei weitem nicht widerspruchsfrei. Jedes Wirtschaftssystem verankert seine Spuren. Die Demokraten haben bis heute immer wieder auf die Elemente hingewiesen, die die Demokratie bestimmen. Die folgenden Ansätze sind nicht sozialistisch, aber wirksam, weil die AFD mit ihren eigenen Waffen geschlagen wird.

Befürworter wie Gegner des kapitalistischen Denkens benutzen Begriffe, die Anfang des 19. Jahrhunderts von der Rechten als Auferstehung feudaler Begrifflichkeit zur Bewältigung des Monopolkapitalismus entwickelt wurden. Wo immer Macht zum Monopol sich verdichtete, drohte dieses System Recht, Moral und öffentliche Ordnung zu bestimmen.

Hier hat die Linke leider oft  ohne ausreichendes Selbstbewusstsein wichtige Erkenntnisse verbreitet, die im Pragmatismus der Sozialdemokratie und in der kopflosen Gewaltherrschaft der Leninisten wieder aufgegeben wurden. So verwies Marx darauf, dass die Waffe der Kritik die Kritik der Waffen voraussetze, Rosa Luxemburg, dass die Freiheit immer die Freiheit der Anderen sei, die römischen Juristen leiteten das Eigentum aus der Herrschaft ab (dominium), der Kapitalismus legitimierte die Herrschaft dann durch das Eigentum. Wir haben in unserer Analyse des Geldes (Reifner, Das Geld Bd.1. Fn 35 f) als Ursache der verkehrten Welt in unseren Köpfen den Siegeszug des Geldes in vielen Details aufgezeigt. Hier hätte die Wissenschaft viel aufzudecken. Die Linke versteckt sich stattdessen hinter dem irreführende Zitat über die Philosophen, der anscheinend nun nach aller Geringschätzung durch Marx die Weltveränderung zugetraut und anvertraut wird. Tatsächlich dient sie einer Glorifizierung gewalttätiger Praxis genüber der Theorie.

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