#BrExit: Bankenkontrolle über London nach New York?

Wer wird in Zukunft das Wirken der englischen Finanzindustrie in der EU überwachen, welche Regeln gelten und wer macht sie, wie bekommen wir Indexmanipulationen, Wettbetrug, Kredithaie, Lehman-Zertifikate, Zinswucher mit payday loans, Steuerflucht sowie EX- und Cum Betrug und den politischen Missbrauch von Finanzmacht unter Kontrolle? Bisher richtete sich in Brüssel alles an London (und seinen Mitspielern in Holland und Irland) aus: Kommissare, Personal, Sprache, Regeln, Aufsicht. Es galt Kompensation statt Prävention, Londoner statt Gastlandkontrolle, Kapitalverkehrsfreiheit und Staatshaftung für die Banken. Sie bestimmen auch heute noch die Systeme in der EU. Vom Streben nach verantwortlichen Bankgeschäften ist nur die Erhöhung der Eigenkapitalquote übrig geblieben.

Deutsche Bank und Börse erpressten sogar die Behörden hier mit Abwanderungsdrohungen, aus New York nutzte J.P. Morgan das Sprungbrett für seine Ministerposten. London ist und war ein regulatives off-shore Paradies mit extremen sozialen Folgen für Großbritannien.

Wenn die nächste Finanzkrise abgewehrt werden soll, dann muss der Brexit als Chance genutzt werden, die Finanzkontrolle zurückzuerobern. Was jetzt über die Zollunion passiert könnte das Schlimmste werden: freier Marktzutritt für London bei autonomer Regulierung. Dass dann mit US-amerikanischer und englischer Hilfe EU-Finanzdienstleister Brüssel und Ffm weiter mit Wettbewerbsnachteilen erpressen entspricht der bisherigen Logik des “race to the bottom”.

Barnier weiß als kurzfristiger und kritischer Bankenkommissar Bescheid – aber hat er noch das Heft in der Hand oder führt Jean Claude Juncker, der ex-Finanzminister und ex-Präsident eines anderen off-shore Paradieses die Verhandlung? Die Presse schweigt. HSBC, Barclays und RBS sind merklich ruhig. Die Öffentlichkeit wird derweil täglich mit der Lösung des Problems des freien Schafsverkehrs über die nordirische Grenze unterhalten.

 

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